#decoded11 //2011/10/25

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Pfeil der zur decoded zeigt

Am 15.10. fand zum zweiten mal die decoded im Freiheiz in München statt. Die »conference for code and design« ist das Kind von Reppa und envis precisely. Sie versucht die Lücke zwischen Devcons und Vernissagen zu schließen, und trifft einen DesignerDeveloper wie mich damit voll.
Es folgen unglaublich subjektive Eindrücke der Vorträge und mein Fazit:

Fluid Forms – Fluid form the process

Stephen William stellte die imposanten Ideen und Produkte von Fluid Forms vor, und beschrieb den Entwicklungsprozess: ob Obstschale in Geländeform, selbstgeboxter Lampenschirm oder Schmuck mit deiner Stadt – alles wurde anschaulich präsentiert und die ein oder andere Erkenntnis geteilt:
Zum Beispiel griffen die meisten Kunden dann doch auf eine der vorgefertigten Pfeffermühlen-Formen zurück, weil sie sich offenbar für nicht kreativ genug hielten, oder ihnen die Konfigurationsmöglichkeiten zu üppig waren. Daraufhin wurden die Fingerabdruck-Skulpturen erdacht: hier musste der Kunde nicht kreativ sein, hatte nur die Wahl zwischen zehn Möglichkeiten und dennoch ein Produkt mit hohem emotionalen Wert.

Prof. Herbert W. Franke – Bildkultur gegen Sprachkultur

Der einzige Beitrag auf Deutsch war dennoch einer der schwierigsten. Zunächst ging es um Alghoritmen und deren Darstellung, was eigentlich sehr interessant war (z.B. im Zusammenhang mit Processing), auch wenn er nicht die ganze Zeit ins Mikrofon sprach.
Als der Professor aber mit zunehmender Länge seiner (dem ästhetischen Empfinden aller anwesenden Designer bestimmt nicht entsprechenden) PowerPoint Präsentation (die von seiner Frau bedient wurde) etwa der Idee von 3D-Welten, in denen man sich frei bewegenen kann, verfiel, wurde aus dem Schmunzeln im Dunkeln ein Glucksen und Kichern: jeder der Anwesenden kannte SecondLife, der Prof offensichtlich nicht, oder die Präsentation war schon entsprechend alt.
Zum Schluss wurde noch das Video einer Balletttänzerin vor »einer (sic.) Bluescreen« aus dem dem Jahre 1989 gezeigt, das die eventuell mitgenommen Erkenntnisse aus diesem Vortrag offensichtlich nicht nur aus meinem Gedächtnis gelöscht hat.

eboy – Hello Pixel!

Zunächst: ich liebe die Arbeit von eboy. Vielleicht urteile ich daher zu mild (nachdem ich beim Prof so abgerechnet habe), aber trotz etwas eintöniger Abfolge hat es mir gefallen Peecol, Jerks und die anderen mal in einer logischen Reihenfolge und alle auf einem Haufen kennen zu lernen.

Pixelgesichter

Auch die Anfänge der Truppe sind interessant: das typische Pixel-Design entwickelte sich, weil die Truppe ein Mag herausgab, das auf 3,5″-Disketten verteilt wurde, die nur einen begrenzten Speicherplatz zur Verfügung stellten.
Ebenfalls neu war für mich das iPhone-Spiel PixFix*, auf dem isometrischen eBoy-Prinzip basierend.
Toll auch die Anekdote, als Pepsi Hong Kong das eboy-Design für ihre Dosen (wahrscheinlich von einem chinesischen Billiglöhner) in eine Vektorgrafik umwandeln ließen, und der ganze eboy-Pixel-Charakter dadurch verloren ging.

LIA – The fascination of the unexpected

Die Österreicherin präsentierte ihre Trail-And-Error-Methode zu arbeiten.

Processing Output

Sehr viel mehr lässt sich dazu nicht sagen, der Hauptteil der Präsentation bestand aus Klicken auf Dateien und den Playbutton, um dann eine Visualisierung zu sehen, die sich langsam dem von LIA gewünschten Endresultat annähert – wobei ich glaube dass sie uns folgendes sagen wollte: sie hat das Resultat nicht von vornherein im Kopf, sondern nähert sich durch den Prozess des Versuchens an das/ihr Ziel an.
Leider war sie sehr erkältet. Respekt dass sie dennoch präsentiert hat, aber der Unterhaltungswert ihrer Präsentation stieg dadurch nicht gerade.

Kate Hartman – Inquisitive devices

Endlich gings los. Zuerst mit Mützen für die beiden Thomase, danach mit tollen Studentenprojekten vom OCAD, an dem sie unterrichtet und Testlabs betreut.

Die Organisatoren tragen Mützen von Kate Hartman

Sie stellte uns das Projekt Botanicalls vor: dort findet sich die Anleitung, mit Hilfe von Lilypads kleine Interfaces zu bauen, die (in einen Blumentopf eingesetzt) anrufen und twittern, wenn einer Pflanze das Wasser auszugehen droht, oder zu viel gegossen wurde, oder die sich einfach nur bedanken, wenn alles richtig gemacht wurde. Ein Vertreter dieser kommunizierenden Pflanzen ist Pothos.
Es folgten viele tolle Studentenprojekte, wie zum Beispiel die Symbiose von fiber optics & silk, oder andere verrückte Ideen mit Anziehsachen, die man in ihrem TED Talk bestaunen kann.

Jer Thorpe aka blprnt – New York, New York

Nach dem ersten Highlight mit vielen wundervollen bis verrückten Ideen von Kate wurde es etwas ernster und programmierlastiger. Die beiden vorgestellten Projekte, die sich um New York drehten (und zwar wortwörtlich) waren atemberaubend.

Im Rahmen der NYTLabs entwickelte Jer das Visualsierungstool »cascade« für die (Re-)Tweets der Artikel der Gray Lady: Unglaublich welche Zusammenhänge er so auf einfachste Art und Weise sichtbar machen konnte. Sehr inspirierend was das Userinterface angeht.

Das zweite war ein Programm das die Designer des 9/11 Memorials dabei unterstützte, die Namen aller Opfer so anzuordnen, dass die Namen von Freunden und Kollegen nahe beieinander angeordnet waren – ein tolles Konzept, dass erst durch die Computerhilfe wirklich gut umgesetzt werden konnte, indem z.B. Dehnungsspalten im Metall die Zurichtung der Namen nicht mehr störte. Wow.

Am nächsten Tag schickte Jer übrigens sein altgedientes MacBook in den Ruhestand – mit einer Vernissage und Bildern aus seinem Leben (das des Laptops). Stattgefunden hat das ganze im Hause Dog&Pony. Einer (Dog?) ist Mario Klingemann aka Quasimondo, der Flash-Maestro.
Hier schließt sich der Kreis zu Veranstaltungen wie der design conference in der einen, und der beyond tellerrand in der anderen Richtung ;)

Update: Jer Thorp’s talk als Mitschnitt:

Mein Fazit:

Leider war ich letztes Jahr nicht auf der #decoded10, aber habe gehört, dass sie besser gewesen sein soll.
Dieses Jahr hat es etwas gestottert und geruckelt. Mit dieser Meinung stehe ich nicht alleine da. Ich bin aber sicher, dass es nächstes Jahr – aus anderen Blog-Konversationen geht hervor dass die Veranstalter sich die Kritik bereits jetzt zu Herzen genommen haben – besser laufen kann.

Und nochmal vielen Dank an Chris Corrado für das Early Bird Ticket.

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